Deutschlands Eliten arbeiten munter an der Entwertung des Doktortitels, den ich hoffentlich eines Tages haben werde. Erst hatten wir
Guttenberg, dann noch ein paar andere, und mittlerweile haben wir den Fall Koch-Mehrin. Wie
Anatol Stefanowitsch bedenkend bemerkt, sitzt diese Frau mittlerweile im
Forschungsausschuss des Europaparlaments, obwohl sie eine überführte wissenschaftliche Betrügerin ist. Stefanowitsch zetert zurecht: »Die Botschaft, die Koch-Mehrin und ihre Unterstützer in den Führungsgremien der FDP damit an Wissenschaft und Gesellschaft senden, ist kristallklar: Ihr könnt uns mal.«
Dieses Gefühl habe ich eigentlich schon lange. Die Politik und die Wissenschaft, erstere scheißt auf letztere aus großer Höhe. Und ich habe eine böswillige Vermutung, warum das so sein könnte: Zumeist zählt in der Wissenschaft eben doch der Inhalt. Was jemand drauf hat. Die Elite der Wissenschaft ist im Idealfall eine Elite der Fähigkeiten. Die Elite der Politik ist eine Elite des Klüngels und der richtigen (schlagenden) Verbindungen, mindestens aber eine Elite der Ellbogen und damit eben keine Elite der (inhaltlichen) Fähigkeiten. Instinktiv spürt diese unechte Elite, dass sie der anderen Elite nicht das Wasser reichen kann und fängt an zu keifen.
Für mich wird es noch ein weiter Weg sein, bis einmal
Dr vor meinem Namen stehen kann. Über weite Strecken werde ich mich selbst motivieren müssen. Schade nur, dass das einst am Horizont so hell leuchtende Ziel nun nach und nach durch die Bagatellisierung des großen Beschiss immer blasser wird.
Frau Koch-Mehrin, mit Ihrem Verhalten zeigen Sie tausenden Doktorandinnen und Doktoranden in Deutschland den geistigen Mittelfinger! Sie würdigen aus persönlichen Motiven die Leistung tausender motivierter Menschen herab, die die Wissenschaft und damit unser Land und unsere Gesellschaft voranbringen. Vielleicht leiden Sie auch nur an der Einstellung Ihrer liberalen Partei: Ein jeder ist seines Glückes Schmied. Aber wenn Ihnen der Schmiedehammer zu schwer ist, dann möchten Sie das Eisen trotzdem nicht aus der Hand geben. Es ist einfach, neoliberal zu sein, solange man auf der Gewinnerseite steht.
Es gibt eine Petition, die Koch-Merins Rücktritt fordert. Mitzeichnen ist eine schnell erledigte Form der Meinungsäußerung.