So, liebe Leser, es ist einmal wieder Zeit für Eure Intuition. Lest folgendes Schild in normalem Tempo und beantwortet für Euch ohne erneutes Lesen die unten stehende Frage.
»Fotografieren und Filmen zu kommerziellen Zwecken bedürfen einer Vereinbarung mit der Parkleitung.«
Die Frage:
Ist Fotografieren ohne Vereinbarung immer verboten?
Sprachwissenschaftlich gesehen kann man sich fragen, wo man die Phrase
zu kommerziellen Zwecken denn andocken möchte. Es gibt zwei Möglichkeiten. Das kann man sich verdeutlichen, wenn man die einzelnen Satzteile mal flott und flapsig mit Klammern als zusammengehörig kennzeichnet:
- [[Fotografieren und Filmen] [zu kommerziellen Zwecken]]
Das ist die vermutlich von der Parkleitung intendierte Bedeutung: zu kommerziellen Zwecken bezieht sich auf die ganze Konstruktion Fotografieren und Filmen. - [Fotografieren und [Filmen [zu kommerziellen Zwecken]]]
In der Variante bezieht sich zu kommerziellen Zwecken nur auf Filmen, Fotografieren muss also immer genehmigt werden, auch zu nichtkommerziellen Zwecken
Na ist doch logisch, was die gemeint haben. Das möchte man jetzt sagen. Ist es auch. Aber wenn man schnell über das Schild liest, dann muss der eigene Kopf im Vorbeilesen die Phrase
zu kommerziellen Zwecken irgendwo ankleben. Das könnte schon beim
zu ablaufen, spätestens aber wenn das Ende der Phrase erkennbar ist, das wäre beim
ist. Um das Problemkind an die ganze Phrase
Fotografieren und Filmen anzukleben, muss man in der Verarbeitung vermutlich weiter zurück in der Zeit, was einen höheren Aufwand bis hin zum erneuten Lesen des Satzes bedeuten kann. Vermutlich hat jemand über dieses Thema schon mal eine Studie gemacht. Und wenn ich nicht gerade an einem Paper arbeiten würde, dann würde ich mal danach suchen.
Wie habt Ihr den Satz also intuitiv verstanden? (Die beabsichtigte Bedeutung ist klar, aber kommt die sofort rüber?)