Es ist eine Direktverbindung. Man würde den ganzen Tag fahren. Aber es ist auch die Verbindung von Dresden nach Prag. Oder von Prag nach Brünn. Oder auch von Prag nach Wien. Für mich war es die Verbindung von Dresden nach Brünn. Es sind Abteilwagons und die Sitze sind einigermaßen bequem und es gibt Steckdosen. Man muß dazu mit einem älteren EuroCity der deutschen Bahn fahren. Im InterCity Express gibt es keine Steckdosen. Zumindest nicht in der zweiten Klasse.
Kurz nach Dresden ist auch schon der Bundesgrenzschutz in meinem Abteil. Ich sehe wohl verdächtig aus, aber sie lassen mich trotzdem rüber zu den Tschechen. Der Zug fährt langsam. Ich denke, naja vielleicht wollen sie mehr Zeit haben um alle zu kontrollieren bevor der nächste Bahnhof erreicht wird.
Der nächste Bahnhof ist schon in der Tschechischen Republik. Wir halten etwa zehn Minuten, dann geht es weiter. Etwas weiter. Der Zug wird immer langsamer. Wir halten auf freier Strecke. Eine Durchsage: »Sehr verehrte Damen und Herren, die Heizung ist soeben ausgefallen. Außerdem benötigen wir eine neue Ersatzlokomotive, da die Ersatzlokomotive gerade ausgefallen ist.« Dann das selbe auf Tschechisch und Englisch.
Nach einiger Zeit rumpelt es ein paar Mal, sie kuppeln die neue Lok an. Der Zug kriecht weiter. Es wird Nacht, ich bin schon seit 5 Uhr morgens wach. Ich versuche zu schlafen. Nach gut zwei Stunden des Versuchens ein anderer tschechischer Bahnhof. Der Zug steht. Ab und zu rumpelt es, man hört wie die elektrischen Motoren einer Lok hochfahren, dann wieder Stille. Das Spiel wiederholt sich eine Stunde lang.
Dann geht es weiter. Ich fühle mich halbwegs ausgeruht und will die Tagesordnung des Meetings noch einmal durchlesen. Das Licht geht aus. Stromausfall im Zug. Nur die Notbeleuchtung funktioniert noch. Und wir fahren. Draußen ziehen ab und zu Lichtermeere vorbei, überwiegend in Orange. Die Lüftung funktioniert auch nicht und man kann die Fenster nicht öffnen. Außerdem wäre es draußen unerträglich kalt.
Ein kurzer Aufenthalt in Prag. Das Licht ist wieder da. Heizung und Lüftung nicht. Zwei Tschechen steigen in mein Abteil und quasseln mich voll, meine mehrsprachigen Hinweise auf komplette Unkenntnis ihrer Sprache ignorierend. Nach kurzer Zeit geben sie es auf.
Wir haben zwei Stunden Verspätung. Und ich kann immer noch nicht schlafen. Ich versuche nicht daran zu denken wo in Brünn der Bahnhof ist und wie ich von dort in mein Hotel gelangen könnte.
Am nächsten Morgen sieht die Welt anders aus. Der Kaffee ist stark. Und mein Englisch funktioniert noch.