Die gute GEMA


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Jema
1

Meiner Meinung nach besteht das Problem der GEMA in ihrer Monopolstellung. Wenn ich ein juristischer Mensch wäre, dann würde ich sofort eine Konkurrenz eröffnen, die kleinere Künstler fördert und vor allem auf Creative Commons setzt.

Konkurrenz für die Gema: Das wäre Kapitalismus. Dann würde sich auch was bewegen.

ambee
1.1

"Meiner Meinung nach besteht das Problem der GEMA in ihrer Monopolstellung."

Damit hast du einerseits recht, andererseits, man überlege sich mal die Konsequenzen, gäbe es zwei oder gar mehrere GEMAs. Jede Rundfunksender, jeder Veranstalter, jeder Friseursalon, jede Gastwirtschaft, usw... müsste sich mit zwei Verwertungsgesellschaften herumärgern. Die eine Hälfte der Urheber lässt sich von GEMA 1 vertreten, die anderen von GEMA 2. Bedeutet für Nutzer, die sich nich auf Werke von nur einer GEMA beschränken wollen, erstmal schauen bei welcher GEMA denn die Werke die sie gerade nutzen eigentlich sind. Dann zweimal die Rechte einholen, zweimal Formulare ausfüllen, zweimal Verträge unterschreiben, zweimal abrechnen, zweimal Musikfolgebogen ausfüllen, usw...

Hinzu kommt, dass der Verwaltungsaufwand bei den GEMAs insgesamt sich verdoppelt, also bleibt unterm Strich auch weniger für die Urheber.

Du siehst, das wäre für komplette Branchen ein riesengroßer Mehraufwand. Insofern hat die Monopolstellung der GEMA, so schlecht es für den Wettbewerb ist, auch durchaus seinen Sinn. Daher würde ich sie eher reformieren wollen, als dass wir mit den Konsequenzen einer zweiten GEMA leben müssen, aber das sagt sich ja so einfach...

Damit die GEMA nicht machen kann was sie will, wird sie vom Marken- und Patentamt überwacht. Vor dessen Schiedsstelle jetzt übrigens auch der Streit über die aktuelle Tarifumstellung geht. Die von der GEMA angekündigten Tarife sind daher nur als Verhandlungsbasis zu sehen und werden wohl nicht in der aktuellen Form umgesetzt werden.

PS: Jedem in Deutschland ist es übrigens freigestellt seine eigene GEMA zu gründen.

DrNI

Da müsste man jetzt mal über den Teich schauen. Denn in den USA gibt es mehrere Verwertungsgesellschaften. Und da läuft es ja auch.

Übrigens gibt es de facto auch schon in Europa und damit in Deutschland eine Alternative: Jamendo.com übernimmt für Musiker die Abwicklung bei kommerzieller Nutzung ihrer Creative-Commons-Musik.

"Wer nun also eine Petition mitzeichnet, sollte sich überlegen, was ihm wichtiger ist: Förderung kleiner Konzerte mit womöglich hochkarätigen Bands, oder Erhalt des Status Quo in Diskotheken."

Dazu ein Denkanstoß: Fast jeder Club der kleine Konzerte bucht hat auch einen Diskobetrieb als zweites Standbein. Teilweise fangen die Tanzabende auch die Miese auf, die bei schlecht gelaufenen Konzerten entstanden sind.

Wenn das zweite und nicht gerade unwichtige Standbein - die Tanzveranstaltungen - wegfällt muß der Club schließen und für Bands ist eine weitere Auftrittsmöglichkeit futsch. Mit den neuen Gema-Tarifen könnte das massenweise passieren!

Think about it! :-)

DrNI
2.1

Danke für die Gegenposition zur Gegenposition. Da ist was dran. Es gibt sie, diese Clubs. Aber es gibt z.B. auch "meine" Kunden: Kneipen, die 1 bis 2 Mal im Monat eine Band engagieren, Kulturvereine, oder Biker-Clubs, die jemand für die Party haben wollen.

Ein anderer Punkt, den ich nicht in den Post gepackt habe, ist: Die GVL spielt auch noch mit rein. Die Abgabe auf Leermedien wird von der GEMA nur im Auftrag der GVL kassiert. Zappelhallen zahlen auch an die GVL, und das finde ich auch richtig so: Wenn auch DJing eine eigenständige Kunstform sein mag, sie bedient sich permanent der Leistung der Musiker und Tonstudios, ohne die es die CDs nicht gäbe. Von dem Standpunkt aus könnte man auch sagen, eine Erhöhung der GEMA-Abgabe ist Mist, wenn hier was erhöht werden müsste, dann die GVL-Abgaben.

DieterK
3

"Der Musiker hat keinen rechtlichen Anspruch auf Zahlungen, gibt aber die Verwertungsrechte so exklusiv ab, dass er seine Songs nicht mal auf seiner eigenen Homepage als Demo nutzen darf."

Nutzen darf der Musiker (der Urheber) schon, nur muss er dafür - wie jeder andere Musiknutzer auch - bezahlen.

Das ist sinnvoll, sonst könnten sich die Labels und andere Musiknutzer ganz leicht über entsprechende Vertragskonstruktionen ihrer Zahlungsverpflicht entledigen.

Konkurrenz durch mehrere Verwertungsgesellschaften:

Vom Ende des Monopols würden kurzfristig nur die Top-Verdiener unter den Komponisten profitieren, die ohnehin schon am meisten verdienen. Bohlen & Co. könnten leicht eine eigene Verwertungsgesellschaft aufmachen und mit den für sie relevanten Nutzern Verträge aushandeln. Aber was passiert mit dem großen Rest der Komponisten? Wer verhandet für die? Welche Markmacht könnten sie der Medienindustrie entgegenstellen?

Beispiel Konzerte: Warum muss die GEMA den Topstars Vorzugsbedingungen bei der Abrechnung einräumen? Weil diese sonst ganz einfach direkt mit den Veranstalter verhandeln. Wodurch die ganze Solidargemeinschaft ganz schnell am Ende wäre.

Und genau darauf, auf das Ende der Verhandlungsmacht die Komponisten NOCH durch die kollektive Wahrnehmung ihrer Rechte haben, laufen auch die Vorschläge nach "Konkurrenz" hinaus.

Konkurrenz zwischen Verwertungsgesellschaften würde ja Profitstreben / maximale Ausschüttungen etc. bedeuten. Für die 10 (oder so) Prozent, die jetzt für "Kulturförderung" verwendet werden, wäre kein Platz mehr.

Und was wäre - mittelfristig - das Ergebniss von "Konkurrenz"? Die erfolgreichen Verwertungsgesellschaften schließen sich zusammen und bilden ein neues Monopol. Dann aber auf einer völlig anderen Grundlage als die GEMA. Ohne den ganzen kulturellen Ballast etc. (vgl. Antwort von ambee).

Und selbstverständlich könnte so eine Verwertungsgesellschaft, die eben nicht mehr ein Verein ist, der den Mitgliedern "gehört", auch ganz einfach von UMG, Sony Music (na ja, Sony Music wird wohl nicht mehr so lange bestehen), Google, Apple oder Facebook aufgekauft werden.

Beispiel USA: Gibt es zwischen ASCAP und BMI Unterschiede, die über minimale Nuancen hinausgehen?

Ich kenne keine.

"Wäre dieses Risiko minimiert, könnten Veranstalter mutiger Bands engagieren und weniger bekannte Acts damit auch einfacher fördern."

Ich geb Dir in den meisten Punkten recht, allerdings geht es bei den neuen Tarifen NICHT um Live-Musik! dort hat sich bereits in diesem (oder letzten) Jahr was geändert und zwar dahingehend, dass wirklich die reelle Anzahl der BEsucher zur Berechnung gezählt werden

DrNI
4.1

Das scheint mir ein Gerücht zu sein. In den neuen Tarifen steht nichts von Besucheranzahl, in den alten auch nicht.

Es gibt jedoch zur Pleitenminderung eine "Härtefallnachlassregelung", bei der aber nicht nur die Eintrittsgelder zur Berechnungsgrundlage zählen.

TobiH

Aber ich glaube, das hier ist neu:

https://www.gema.de/fileadmin/user_upload/Musiknutzer/Tarife/Tarife_ad/tarif_u_vk.pdf

6. Härtefallnachlassregelung für Musikwiedergabe bei Einzelveranstaltungen

Sofern der Veranstalter den Nachweis erbringt, dass die Bruttoeinnahme (geldwerter Vorteil nach § 13 Abs. 3 S. 1 UrhWG) aus der Veranstaltung im Einzelfall in grobem Missverhältnis zur Höhe der Pauschalvergü- tungssätze für die Musiknutzung bei Einzelveranstaltungen steht, berechnet die GEMA auf schriftlichen Antrag eine für die Veranstaltung angemessene Vergütung nach Maßgabe der nachstehenden Bestim- munden:

[...]

DrNI

Ja, das meinte ich in meinem letzten Kommentar. Von 'Gebühr nach Besucheranzahl' o.ä. kann dabei meiner Meinung nach aber nun wirklich nicht gesprochen werden. Außerdem: Was ist ein "grobes Missverhältnis"? Ist es OK, wenn eine Veranstaltung null auf null rauskommt, oder ist das schon ein Missverhältnis? (Ist es eigentlich nicht, denn jeder Veranstalter muss Plus machen, um am Ende zu Hause seinen Kühlschrank zu füllen, außer es ist ein Kulturverein, aber die sind leider nicht selten die knausrigsten Gagengeber.)

Kurzum: Diese Regelung ist neu und gut, aber keine Gebühr nach Besucheranzahl.


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