Immer wenn in Deutschland irgendwo ein Ton öffentlich erklingt, fließt Geld an die GEMA. Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte gibt es seit 1902 und sie ist sicher ähnlich unbeliebt in Deutschland wie die GEZ und die Finanzämter. Dafür gibt es viele Gründe. Nun ändert die GEMA ihre Tarife, was im Einzelfall bis zu 1400% Preissteigerung für die Musiknutzung bei Veranstaltungen bedeuten kann. Die Schelte ist groß, das Netz-Echo echauffiert sich in Aussagen wie »
GEMA verliert Augenmaß«. Allein: Ich finde die neuen Tarife gut, sie kommen meinen Interessen entgegen. Wer also Proteste und Petitionen gegen die GEMA unterstützen möchte, sollte sich vorher mal überlegen, was seine Interessen eigentlich sind.
Zunächst noch eine kurze Klärung der Sachlage. Warum gibt’s die GEMA, was soll das alles? Es ist wie folgt: Wenn jemand in Deutschland ein Musikstück erfindet, ist er der Urheber. Anders als zum Beispiel in den USA ist die Urheberschaft in Deutschland unveräußerlich. Man ist und bleibt Urheber. Bei der GEMA geht es um die Verwertungsrechte. Jeder Urheber hat das Recht, sein Werk zu verwerten, also zum Beispiel Geld zu nehmen, wenn das Musikstück im Radio läuft, oder wenn es von Coverbands gespielt wird, oder eben in der Zappelhalle die Ärsche bewegt. Nun wäre es furchtbar unpraktisch, wenn jeder Sender, jede Coverband, jede Dosenmucketanzverantaltung eine Einigung mit jeweils allen Künstlern erreichen müsste. Hier kommt die GEMA ins Spiel: Der Künstler gibt die Verwertungsrechte komplett und exklusiv an die GEMA ab, und die kümmert sich um die Abrechnung. So gesehen nicht nur eine gute Erfindung, sondern auch eine zwingend notwendige. Am Ende ermöglicht erst die GEMA den Künstlern, Geld mit ihren Werken zu verdienen.
Leider läuft es bei der GEMA nicht immer wie gewünscht. Die Parteien sind klar: Die Künstler wollen möglichst viel Geld bekommen, die Musiknutzer (Dissen, Sender, Konzertveranstalter, etc.) möglichst wenig Geld bezahlen. Willkommen im Kapitalismus. Dazwischen sitzt die GEMA und bekleckert sich nicht mit Ruhm: Der Musiker hat
keinen rechtlichen Anspruch auf Zahlungen, gibt aber die Verwertungsrechte so exklusiv ab, dass er seine Songs nicht mal auf seiner eigenen Homepage als Demo nutzen darf. Für wenig bekannte Künstler ist die GEMA ein Minusgeschäft, denn sie zahlt nichts aus, verlangt aber Mitgliedsbeiträge. Außerdem wird nicht nach tatsächlich genutzter Musik abgerechnet, sondern über einen Verteilungsschlüssel, den die GEMA nicht wirklich offenlegt. Mit neueren Entwicklungen tut sich die GEMA schwer, zum Beispiel ist sie nicht mit den
Creative-Commons-Lizenzen vereinbar, im Gegensatz zu ihrem Pendant der Schriftsteller, der VG Wort. Kassieren tut die GEMA mächtig. Sogar bei leeren Datenträgern (CD- und DVD-Rohlinge, USB-Sticks) ist immer eine Abgabe im Preis mit drin. Öffentliche Musikveranstaltungen müssen immer, und zwar wirklich immer angemeldet werden.
Die GEMA schreibt: »Jede Nutzung ist öffentlich, bei der wenigstens zwei Personen, die nicht miteinander verwandt oder eng befreundet sind, Musik hören.« Dabei müssen auch Veranstaltungen angemeldet werden, bei der die Urheber schon ewig lange mausetot sind oder ihre Verwertungsrechte nicht an die GEMA abgegeben haben. Die GEMA ist im Zweifel gegen den Angeklagten.
Und jetzt tut die GEMA endlich mal was für die Musiknutzer und das finde ich gut, denn das kommt mir als Covermucker entgegen. Die Situation: Ich spiele in zwei Coverbands. Die Veranstalter unserer Konzerte müssen selbstverständlich GEMA-Gebühren bezahlen. Wohlgemerkt, wir zahlen die nicht selbst. Diese Gebühren sind für Veranstalter natürlich ein finanzielles Problem. Aber nicht nur das. In der Abteilung
Formularsuche für Musiknutzer verzeichnet die GEMA-Homepage über 100 Dokumente. Damit ist eine legale Musiknutzung potentiell komplizierter als jeder Mobilfunk-Tarifdschungel. Das ist vor allem für Veranstalter ein Problem, die nur gelegentlich Bands buchen. Wird die GEMA also einfacher und günstiger für die Konzertveranstalter, dann werden wir als Bands auch einfacher und günstiger. Und das nicht nur als Coverband, sondern auch als Band mit nur eigenen Stücken, deren Songwriter bei der GEMA Mitglied sind. Denn da gibt es technisch keinen Unterschied.
Aber wird es denn einfacher? Na definitiv! Die GEMA bietet anstatt 11 Tarifen
ab dem 1. Januar 2013 nur noch 2 Tarife. Es wird nur noch die alberne deutsche Unterscheidung von U-Musik und E-Musik gemacht. Also Musik zur Unterhaltung (U) und ernste (E) Musik. Letzteres sind die Klassiker, da herrscht wohl Lachverbot. Jedenfalls trotzdem eine Unterscheidung, die auch für den weniger bewanderten Nutzer leicht zu treffen ist.
Und wird es günstiger? Naja, eben nicht und eben doch. Wenn man alle über einen Kamm schert, gewinnen notwendigerweise einige, und einige andere verlieren. In einer
Preis-Gegenüberstellung legt die GEMA die Details auf den Tisch, und die sind noch verwirrend genug. Tatsache ist: Für kleine Konzerte, d.h. geringe Saalgröße und kleiner Eintritt, wird die Gebühr in vielen Fällen niedriger ausfallen. Und für mich als kleineres Licht ist das ein Vorteil: Die Kunden meiner Bands müssen weniger bezahlen. Diskotheken zahlen hingegen im Höchstfall bis zu 1400% mehr,
das ging durch die Medien. Wer nun also eine Petition mitzeichnet, sollte sich überlegen, was ihm wichtiger ist: Förderung kleiner Konzerte mit womöglich hochkarätigen Bands, oder Erhalt des Status Quo in Diskotheken.
Ein anderes Problem hat die GEMA aber mal wieder nicht gelöst: Die Abgabe ist zwar nach Eintrittspreis gestaffelt, nicht aber nach tatsächlicher Größe des Publikums. Wenn also der Saal groß ist und trotzdem nur wenige Leute kommen, droht ein Minusgeschäft. Wäre dieses Risiko minimiert, könnten Veranstalter mutiger Bands engagieren und weniger bekannte Acts damit auch einfacher fördern.