Wir wären ja nicht in Deutschland, wenn es nicht für das Spielen von Straßenmusik genaue Spielregeln gäbe. Viele Städte haben eine Broschüre, die das Ordnungsamt auf Anfrage herausrückt. Die Stadt Stuttgart hat
ihre gleich online gestellt. Meistens darf nur an bestimmten Orten zu bestimmten Zeiten für eine gewisse Zeitdauer gespielt werden. Oft sind auch Verstärker und Getöse-Instrumente wie Schlagzeug verboten. Zum einen ist das deutsche Schikane, zum anderen aber auch einfach der Versuch, eine für alle Beteiligten – Besucher, Anwohner wie Musiker – akzeptable Lösung zu finden.
Immer mehr setzt es sich im Musikbusiness durch, dass Musiker für ihre Auftritte bezahlen sollen. Wer geil aufs Spielen ist, der kann ja dafür auch mal was abdrücken.
So findet das auch die Stadt Konstanz. Die Verwendung von »Tonquellen« ist außerdem verboten – Aha! Das Musizieren kostet 17,50€ und bedarf einer Sondererlaubnis. Zusätzlich gibt es noch restriktive Spielregeln. Liebe Konstanzer: Das ist eine sehr ausladende Geste der musizierenden Zunft gegenüber. Ich hoffe, ihr bekommt, was ihr verdient. Nämlich nichts.
Ganz unterschiedlich fällt die Bereitschaft aus, etwas für den musizierenden Bürger zu tun. Ein großes Lob verdienen die Ämter der Städte Tübingen und Heidelberg, die beide innerhalb von einer Stunde per E-Mail ihre Broschüre geschickt haben. Aus Heidelberg wünscht man uns sogar viel Spaß bei unserem Auftritt. Auch aus Karlsruhe trifft zügig eine Antwort ein. Weniger freundlich sondern eher sachlich sind die Reutlinger. Aus Metzingen erreicht einen die Nachricht, man sei mit seiner Musik »geduldet« und später im Text sogar »toleriert«, in Ulm hat man nur ein Kontaktformular und sieht sich nicht in der Lage, innerhalb von zwei Wochen eine Antwort auf die Anfrage zu finden.
Allen gemein ist, dass die Antworten amtlich verschwenderisch mit Anführungszeichen umgehen, als würden sie sich selbst nicht ganz ernst nehmen, dabei meinen es einige sehr amtlich ernst, aus Rottenburg schickt man uns sogar gleich die Polizeiverordnung mit. Überall wird man außerdem als
Musikant bezeichnet, was außerhalb des volkstümlichen Schlagers ein Schimpfwort ist. Die Menschen in den Behörden meinen es sicher gut, aber in diesem empfindlichen Punkt müssten sie wirklich noch dazu lernen. (Die Firma Korg hat das zum Beispiel
schon begriffen.)
An einem frühen noch kühlen Morgen machten sich dann drei Menschen mit Instrumenten und einem
Baden-Würstchenberg-Ticket auf, um die Welt der Straßenmusik zu entdecken. Doch darüber vielleicht ein andermal.